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Haucke
Krawatten & Schleifen GmbH
Nordstraße 2
01900 Großröhrsdorf
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Krawatten-Königin wickelt Männer um den Hals
Schlipse made in Sachsen stammen oft aus dem Hause Haucke. Denn unter dem traditionsreichen Namen ihres Großvaters stellt Simone Schöne (43) in Großröhrsdorf modische Binder und Beamtenkrawatten her.
Wenn morgen zur Weiberfastnacht das närrische Schlipse-Schnipseln beginnt, beobachtet das Simone Schöne mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ist sie froh darüber, dass durch die abgeschnittenen Krawatten die Nachfrage steigt. Andererseits fühlt sie sich schon auf den Schlips getreten, wenn ihre Binder der Schere zum Opfer fallen. "Schließlich steckt hinter einer Krawatte eine Menge Arbeit", weiß die Firmenchefin. Handarbeit, denn auch anno 2002 ist es noch nicht so, dass einfach ein Stoffballen in eine Maschine eingelegt wird, die nach kurzer Zeit einen fertigen Schlips auswirft.

Die gute alte Nähmaschine bestimmt das Bild in der Krawatten-Hochburg von Großröhrsdorf. Dort begann 1935 Helmut Haucke mit einer Hand voll Weberinnen Bänder beispielsweise für Damenhüte zu fertigen. "Nach dem Krieg spezialisierte sich mein Großvater auf Fliegen und Krawatten", erinnert sich die Sächsin. "Und er entwickelte für Knotenmuffel den Schlips mit Gummiband", verrät sie stolz.

Nach der Verstaatlichung der Firma 1972 nähten über 200 Frauen Fliegen, Schleifen und Krawatten. Sogar für die befreundeten Schlipsträger der Sowjetarmee, von der Teile in der DDR stationiert war. Zu der Zeit hatte die gelernte Kauffrau mit Krawatten soviel zu tun wie Tausende andere Ehefrauen auch: Sie schenkte ihrem Mann Rainer ein, zwei pro Jahr. Das war's. Nach Wende nutzte sie ihre Chance und holte die Firma in den Familienbesitz zurück. "Es war unheimlich schwer", gibt sie zu. "Der Ostmarkt brach über Nacht zusammen. Trotzdem begann ich gemeinsam mit zwei Näherinnen wieder ganz von vorn." Ihre Rettung: Erst bestellte die Deutsche Reichsbahn 5.000 blaue Krawatten und kurze Zeit später die Deutsche Bundesbahn 25.000 rote. Als auch noch die Polizei Sachsen über 45.000 Schlipse orderte, setzte der Aufschwung mit dem Knoten ein. Allein im letzten Jahr wurden von den inzwischen 13 Näherinnen über 150.000 Binder hergestellt.

Darunter rund 50.000 so genannte Beamtenkrawatten, unter anderen für das Musikorchester der Polizei Leipzig, für die Justizvollzugsanstalten Chemnitz und Bützow sowie für sächsische Feuerwehrmänner. Ab 100 Stück liefert die Krawatten-Königin auch Sonderanfertigungen. So ließen der Rinderzuchtverband Dresden seinen besten Bullen in der Besamung auf einem Schlips verewigen und die Mecklenburger Bäderbahn ihren zugkräftigen "Molli".

Otto Normalschlipsträger kann aus rund 200 verschiedenen Dessins auswählen. "Im Trend liegen vor allem Pastelltöne, Streifen und Karos", erzählt die Expertin. "Die Zeit der Saurier, Teddybären und Mäuse auf Krawatten ist vorbei. Die mit den nagelneuen Eurobanknoten entwickelten sich dagegen kürzlich zum Renner." Simone Schöne hat feine Antennen dafür, was sie dem starken Geschlecht künftig um den Hals wickeln kann. Den Männern schaut sie deshalb stets zuerst um den Hals. "Der Günther Jauch ist ein korrekter Schlipsträger", schwärmt sie. "Seine Krawatten sind modern, nicht zu extravagant, und der Knoten ist immer vorbildlich gebunden."

Übrigens, Ehefrau Schöne hat es sich abgewöhnt, ihrem eigenen Mann die ein, zwei Schlipse pro Jahr zu schenken. Denn er hat quasi vor der Haustür die größte Auswahl. So kam es bereits öfters vor, dass er kurz vor einer Feier schnell mal die paar hundert Meter von daheim zur Firma lief und dort die Qual der (Schlips)-Wahl hatte.

Von Thomas Gillmeister

Leipziger Rundschau / 2002